Zusammenfassungen der Vorträge der Gersfeld-Tagung 2000

Verbreitung und Ökologie von Triturus vittatus in der südlichen Türkei

Michael Franzen & Josef Friedrich Schmidtler

Der Bandmolch besiedelt in Süd-Anatolien ein Areal, das von der Mittelmeerküste westlich von Mersin bis in die mesopotamische Steppenregion bei Ceylanpinar reicht. Der letzte Fundort vermittelt geographisch zwischen den mediterranen Vorkommen und einer teils angezweifelten Meldung aus dem nördlichen Irak. Im Landesinneren reicht die Verbreitung bis in Lagen von etwa 1000 m im Bolkar-Gebirge und Antitaurus. Die Verbreitung der Nominatform ist anscheinend im wesentlichen auf das Gebiet des Syrischen Grabenbruchs und den Süden der Provinz Hatay beschränkt. Dagegen scheint die Unterart Triturus vittatus cilicensis ein großes Areal zu besiedeln, das von der Mittelmeerküste bei Mersin bis nach Ceylanpinar reicht und alle Taurus-Vorkommen umschließt. Es ist allerdings zu beachten, daß aus dem östlichen Arealteil (Mesopotamien) bisher nur einzelne, überwiegend juvenile Exemplare in Landtracht bekannt sind, bei denen sich die Unterartzugehörigkeit nicht ohne letzten Zweifel klären läßt.
Bei den Laichgewässern der südlichen Unterarten von Triturus vittatus handelt es sich überwiegend um temporäre und perenierende Stillgewässer, die sich durch eine meist sonnenexponierte Lage auszeichenen. Seltener werden Fließgewässer genutzt. Die Art sucht in tieferen Lagen etwa im Dezember das Laichgewässer auf und verbleibt dort etwa bis März/April. Larven sind bisher in der Zeit von März bis Juni gefunden worden.
Zu näheren Informationen siehe: FRANZEN, M. & J.F. SCHMIDTLER (2000): Verbreitung und Ökologie des Bandmolches, Triturus vittatus (JENYNS, 1835), in der südlichen Türkei. Salamandra 36 (1): 39-58, sowie FRANZEN, M. (im Druck): A distribution record of the banded newt, Triturus vittatus, from the Mesopotamian plain, southeastern Turkey. - British Herpetological Society Bulletin 74.

Beobachtungen an Pleurodeles poireti in Nord Tunesien

Frank Pasmans & Sergé Bogaerts

Über Pleurodeles poireti ist aus dem Freiland kaum etwas bekannt. Das war für uns ein Grund, im Februar 2000 nach Nordwest-Tunesien zu reisen, um einige Daten zu sammeln. Wir fuhren dazu von Tabarka im Norden, über die Medjerda-Berge in die mehr südlich gelegene Stadt Jendouba. P. poireti konnten wir sowohl nördlich als auch südlich der Medjerda-Berge finden, nicht aber in dem Gebirge selber. Insgesamt fanden wir 35 Tiere unter Steinen oder in Lehmgruben. Ein Tier konnten wir im Wasser beobachten.Während sich die adulten Tiere in unmittelbarer Wassernähe aufhielten, fanden sich die Jungtiere häufiger mehrere hundert Meter von der nächsten offenen Wasserfläche entfernt. Larven konnten nur an einem Fundort beobachtet werden.
Wir sammelten verschiedene Daten zu den jeweiligen Umweltbedingungen unter denen die Tiere vorkamen wie auch morphometrische Daten der Tiere selber. Die Tiere, die südlich der Medjerda-Berge vorkommen sind signifikant größer als die nördlichen Tiere. Sonst wurden aber keine morphometrischen Unterschiede festgestellt. Ein subadultes Tier zeigte eine Farbanomalie: Teile des vorderen Rückens und des Kopfes waren pigmentlos und erschienen weißlich.
Die Unterscheidung der Geschlechter nach äußeren Merkmalen ist einfach. Die Männchen haben längere Schwänze und Arme, wobei sich auf den Armen charakteristische Brunftschwielen befinden. Im Herbst haben wir im Terrarium die Paarung der Tiere beobachten können.
Bei Störungen zeigen die Jungtiere eine Art “Unkenrefelx” als Abwehrverhalten. Ein adultes Tier zeigte sowohl eine Kopf- als auch eine Schwanzdrehung, die als Abwehrverhalten zu interpretieren sind. Wir konnten keine Rippendurchbrüche durch die Haut beobachten.
Günstige Laichgewässer scheinen temporäre, schlammige und ziemlich alkalische Pfützen und Tümpel zu sein. Begleitarten dieser Lebensräume sind Discoglossus pictus, Bufo mauretanica, Hyla meridionalis und Rana saharica.

Vom Eileiter zum Brutbehälter: Anmerkungen zur Eihüllenbildung bei Molchen und Salamandern

Hartmut Greven

"Die Eileiter der Amphibien sind lange schlauchförmige Organe, welche vielfach gewunden in der Bauchhöhle liegen und dazu dienen, die Eier der Thiere mit einer Hülle zu versehen" (Stüve 1889). Dieser Satz gilt uneingeschränkt auch heute noch. Allerdings sind schon sehr viel früher Unterschiede im Bau des Eileiters oviparer und viviparer Urodelen erkannt und beschrieben worden. So sind die Eileiter des viviparen Feuer - und Alpensalamanders weniger gewunden und ihr caudaler Abschnitt ist zu einem "Brutbehälter" (Uterus) modifiziert. Aber auch innerhalb der oviparen Arten gibt es Unterschiede. So kann der Eileiter verschiedener Arten unterschiedlich stark gewunden und dick sein sowie anhand seiner Drüsenzellen und deren Produkte in unterschiedliche Teilabschnitte gegliedert werden. Solche Unterschiede sind nur z.T. auf zyklische Veränderungen während der Fortpflanzung zurückzuführen. Von Wahlert hat 1953 als erster auf zwei Bautypen aufmerksam gemacht: Das den Ovidukt auskleidende Drüsenepithel bildet entweder längsverlaufende Falten, die von Drüsenzellen bedeckt sind oder auf denen tubuläre Drüsen liegen. Inwieweit diese Bautypen systematische Einheiten widerspiegeln und/oder und in Beziehung mit der Anzahl und /oder der Größe der Eier stehen, ist unklar. Die Anzahl der vom drüsigen Teil des Eileiters abgesonderten Eihüllen schwankt je nach Taxon und stimmt z.Zt. nur in wenigen Fällen mit der Anzahl histologisch und histochemisch unterscheidbarer Abschnitte im Ovidukt überein. Die Eihüllen sind von Bedeutung für die Besamung und Befruchtung, die Aktivierung der Spermien und die Reduktion der Polyspermie. Zudem können sie dazu dienen, die Eier am Substrat zu befestigen, sie vor Mikroorganismen und Freßfeinden sowie vor Austrocknung (wenn die Eier auf dem Lande abgelegt werden) zu schützen. Je mehr Hüllen dem Ei oviparer Arten bei der Passage durch den Eileiter aufgelagert werden, desto höher ist die Befruchtungsrate. Bei viviparen Arten sind diese Beziehungen unbekannt. Bei der überwiegenden Mehrzahl der rezenten oviparen Urodelen werden die Eier im Kloakalraum besamt und befruchtet (in der Literatur als "innere Befruchtung" bezeichnet). Beim Feuersalamander finden Besamung und Befruchtung jedoch weit oben im drüsigen Abschnitt des Eileiters statt. Beim Alpensalamander wird das entwicklungsfähige Embryonalei (meist nur eins pro Uterus, das mit allen Eihüllen versehen ist) am Übergang vom Uterus in den Kloakalraum besamt. Die basalen Funktionen des Uterus (Transport von Ionen und gelösten Substanzen, evtl. Aufnahme von Makromolekülen) - das gilt wohl auch für den caudalen Abschnitt des Eileiters oviparer Arten, der in der Literatur oft Uterus genannt wird - sind weitgehend identisch, da ja dasselbe "Substrat", nämlich Abkömmlinge der während der Embryonalentwicklung entstehenden Müllerschen Gänge, genutzt wird, doch ernähren sich die Jungen des Alpensalamanders in späteren Entwicklungsstadien von einem proliferierenden Areal (Zona trophica) des Uterusepithel. Aufgrund solcher Unterschiede ist nicht auszuschließen, daß sich Viviparie innerhalb der Gattung Salamandra mehr als einmal unabhängig voneinander entwickelt hat.

Neues von den "gelben" Alpensalamandern

Kurt Grossenbacher

Im Juli 1999 entdeckte der italienische Herpetologe Lucio Bonato am SE-Hang des Monte Pasubio (östlich von Rovereto) eine bisher unbekannte Alpensalamander-Population, die sich deutlich von Salamandra atra aurorae unterscheidet. Von den aurorae-Fundorten ist die neue Stelle mindestens 27 km über stark zerklüftetes Gelände entfernt; Kontakte zwischen diesen Formen sind kaum denkbar. Ende August 2000 besuchte der Autor diesen neuen Fundort und konnte bei regnerischem, nebligem Wetter 2 Alpensalamander direkt am Weg finden. Alle bisher gefundenen Tiere besitzen wesentlich weniger gelb als die aurorae-Tiere; z.T. sind nur einzelne Extremitätenansätze mit gelben Flecken versehen; L.Bonato fand auch völlig schwarz gefärbte Tiere. Die Funde liegen in der Höhenstufe 1450-1700m ü.M. in sehr steilem, rutschigem Gelände. Obwohl noch in der Waldzone, sind die Hänge nur mit locker stehenden Föhren und Erlengebüsch bewachsen; zum Teil sind es Schutthalden. Eine flächige Suche ist aus Sicherheitsgründen kaum möglich, die opulation dadurch aber auch vor schädlichen Eingriffen aller Art ganz gut geschützt. Verwandtschaft und Besiedlungsgeschichte dieser Form, welche der mindestens 50 km entfernt lebenden Nominatform S.a.atra näher steht als aurorae, sind nicht geklärt. Es existieren konkrete Hinweise auf eine weitere Alpensalamanderpopulation am südlich vom Pasubio gelegenen Monte Carega.

Cynops pyrrhogaster – ein Kurzportrait

Jürgen Fleck & Jürgen Kraushaar

Der Japanische Feuerbauchmolch Cynops pyrrhogaster bewohnt die Hauptinsel von Japan. Von dort sind drei Lokalformen bekannt. Beschrieben wurden eine so genannte Nominatform (C. p. pyrrhogaster) sowie die Formen immaculiventris und sasayamae. Ob es sich hierbei um echte Unterarten handelt, wird noch diskutiert.
Empfehlung für die Aufzucht von Molchlarven:
Erfahrungsgemäß wirft die Aufzucht von frisch metamorphosierten Molchlarven Probleme auf und ist arbeitsintensiv. Folgende Möglichkeit hat sich jedoch zwischenzeitlich bewährt: Ich stelle einen Poroton – Hohllochziegel (240 x 115 x 113 mm) in ein entsprechend großes Terrarium bei ca. 3 cm Wasserstand, ein wenig Moos wird dazugelegt.
Die einzelnen Kammern des Steines müssen etwas behandelt werden (Schraubenzieher oder Holzfeile rund sind gut geeignet, um den vorhandenen Grat, der bei der Herstellung entsteht, abzurunden).
Ins Wasser gestellt (2 – 4 cm) entstehen verschiedene Feuchtigkeitsstufen (Kapillarwirkung).
Aufzuchterfolge bisher bei Cynops pyrrhogaster, Hynobius tokyoensis, Taricha torosa, Triturus marmoratus, Triturus alpestris, Triturus ophryticus.
Gefüttert wurde mit Enchyträen, Fruchtfliegen, kleinen Heimchen und Tubifex, später mit kleinen Regenwürmer.

Feldforschung an Blindwühlen in Thailand

Alexander Kupfer

Die Blindwühlen oder Gymnophionen gehören wie die Schwanz- und Froschlurche zu den rezenten Amphibien. Blindwühlen sind zumeist terrestrisch lebende Lurche ohne Extremitäten mit einem schlangen- oder wurmartigen Körper. Der Name Blindwühle leitet sich von den oft deutlich reduzierten Augen der Tiere ab: Eine Anpassung an die grabende Lebensweise. Alle heute etwa 160 bekannten Arten sind in den Tropen der neuen und alten Welt verbreitet. In der Terrarienkunde spielen Blindwühlen nur eine untergeordnete Rolle. Am häufigsten werden aquatische Arten der Gattung Typhlonectes gepflegt.
Wie zu vielen Aspekten rund um die Biologie der Blindwühlen, gibt es auch zur Ökologie kaum Daten. Die Kenntnisse der Lebensräume, der populationsökologischen Parameter (Populationsstruktur, Geschlechterverhältnis, Demographie) und der Ernährungsbiologie der Blindwühlen sind absolut unzureichend. Nicht umsonst gelten Blindwühlen daher als eine der am wenigsten erforschten Wirbeltierordnungen überhaupt.
Die Fischwühle Ichthyophis kohtaoensis zählt zu den eierlegenden Blindwühlen (Abbildung 1).
Die Weibchen produzieren ein Gelege mit etwa 26 Eiern, welches nach der Ablage bis zum Schlupf der Larven etwa für 2 bis 3 Monate bewacht wird. Die Larven von Ichthyophis leben bis zur Metamorphose im Gewässer. Seit fast 20 Jahren ist die Fischwühle Ichthyophis kohtaoensis das Forschungsobjekt in zahlreichen Arbeiten mit physiologisch-ethologischem Hintergrund in der AG Himstedt an der Technischen Universität Darmstadt (HIMSTEDT 1996). An der TU Darmstadt wird eine kleine Laborpopulation mit Erfolg gepflegt. Im letzten Jahr kam es zum ersten Mal zu einer Ablage von zwei Gelegen in Gefangenschaft. Das ist weltweit der erste Nachweis. Der Erfolg wurde dieses Jahr mit dem dritten Platz beim A. A. -Schmidt Preiswettbewerb der DGHT für herausragende Nachzuchten prämiert.
In meiner Arbeit möchte ich grundlegende Erkenntnisse zur Ökologie bzw. Lebensgeschichte von Ichthyophis kohtaoensis mit Hilfe von gezielten Felduntersuchungen in Nordostthailand gewinnen. Untersucht werden soll das Verbreitungsmuster der Art im Hinblick auf die bevorzugten Habitatstrukturen. Zur Untersuchung der Populationsbiologie und Fortpflanzung ist es unverzichtbar die Geschlechter der Fischwühlen zu unterscheiden. Daher soll herausgearbeitet werden, ob es bei dieser Fischwühlenart einen Geschlechtsdimorphismus gibt. Nur wenn es gelingt die Geschlechter sauber abzugrenzen, kann man Aussagen zum Geschlechterverhältnis in der Natur machen. In diesem Zusammenhang ist es ein Ziel herauszufinden, wann sich die Art fortpflanzt. Mit der Hilfe der Skeletochronolgie soll untersucht werden, welches Alter diese Amphibien im Freiland erreichen. Es soll ebenfalls geklärt werden, welche Nahrung die Fischwühlen bevorzugen und ob die Blindwühlen Nahrungsspezialisten sind.
Das Untersuchungsgebiet liegt im Nordosten von Thailand in der Mekong Ebene an der Grenze zu Laos (Kreis Khemmerat, Provinz Ubon, Nordostthailand Südostasien). Die Region liegt klimatisch gesehen in den gemäßigten Tropen, d. h. es herrscht ein deutlicher Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeiten. Die Felduntersuchungen finden abwechselnd sowohl in der Regenzeit wie auch in der Trockenzeit statt. Im Untersuchungsgebiet findet man eine typische südostasiatische Kulturlandschaft (die ehemaligen Monsunwälder sind bereits mit den ersten Reisbauern verschwunden). Sie setzt sich zusammen aus Reisfeldern, Grasland und Viehweiden, kleinen Inseln mit Primär- und Sekundärwald (Abbildung 2).
Oft werden ehemalige Waldflächen mit Eucalyptus spec. aufgeforstet. Im Gebiet finden sich einige Bäche und Flüsse und ausgedehnte Sumpfgebiete. Der quantitative Fang der Wühlen erfolgt durch Graben auf standardisierten 25 m2 (5x5 m) großen Flächen (vgl. JAEGER 1994). Hierbei helfen einheimische Reisbauern.
Bisher wurden drei reisen in das Gebiet unternommen (August 1999, Januar-Februar 2000, August-September 2000). Dabei wurden bereits eine große Anzahl von Fischwühlen gefunden.
Die Tiere befinden sich sowohl an den Ufern von Flüssen und Bachsystemen in der Nähe von primären Habitaten wie laubabwerfendem Monsunwald, wie auch in Sekundärhabitaten wie Grasflächen, Gebüsch in der Nähe von Tümpeln und Reisfeldern (Abbildung 2).
Wichtig ist die Nähe zu stehenden oder fließenden Gewässern. Nicht immer sind die Wühlen in der Erde eingegraben, sondern finden sich auch unter verrottenden Blättern, unter Totholz, in Termitenbauten oder in feuchten Sträuchern. Die Gelege mit den bewachenden Weibchen finden sich praktisch immer in der Nähe von Bächen und größeren stehenden Gewässern wie Teichen oder tiefen Tümpeln. In der Trockenzeit halten die Gewässer immer noch Restwasser. Dort leben die Larven der Blindwühlen. Auf den untersuchten Transekten sind Blindwühlen immer mit anderen Amphibien vergesellschaftet. Neben der thailändischen Blindwühle konnten bisher 21 Froschlurcharten und zahlreiche Reptilien nachgewiesen werden. Direkt im gleichen Mikrohabitat wie Ichthyophis (d. h. terrestrisch oder in der Laubstreu) leben folgende Herpeten, welche besonders gut an die grabende Lebensweise angepaßt sind, wie beispielsweise die Microhyliden (Engmaulfrösche) Glyphoglossus molossus und Caluella guttulata. Weiterhin findet man die grabenden Schlangen Cylindrophis ruffus und Xenopeltis unicolor und in der Laubstreu des Bodens häufig die bodenlebende Schlange Oligodon barroni. Eine typische Echse in der Laubstreu ist der kleine Skink Scincella reveesi.
HIMSTEDT, W. (1996): Die Blindwühlen. Neue Brehm Bücherei Bd. 630. ? Magdeburg (Westarp).
JAEGER, R. (1994): Transect sampling. In: HEYER, W. R., DONNELLY, M. A., MCDARMID, R. W., HAYEK, L.-A. C. & M. S. FOSTER (Hrsg.): Measuring and monitoring biological diversity. Standart methods for amphibians: 103-107. – Washington & London (Smithonian Institution Press).

Paarung und Eiablage bei Tylototriton kweichowensis

Kurt Rimpp

Nach zweijähriger Kellerhaltung mit gleich bleibenden Temperaturen um 15 Grad wurde die Zuchtgruppe (Zwei αα und drei αα) am 5.03.2000 in einem Aqua-Terrarium im ersten Stock direkt an einem Südfenster untergebracht. Der Behälter hatte eine Grundfläche von 60 X 35cm. Der Wasserstand betrug 17cm. Landteile wurden aus Sandsteinplatten gebildet, die ich einsturzsicher übereinander schichtete. Durch entsprechende Anordnung der Sandsteinplatten entstanden unter Wasser querspaltartige Höhlungen. Außer den beschriebenen Steinaufbauten schaffte ich im Behälterzentrum einen zwei Handflächen großen Freiplatz, dessen Boden mit Sandsteinplatten ausgelegt war. Im Wasserteil befanden sich Ranken der Wasserpest (Elodea), die allerdings im weiteren Verlauf entfernt wurden, nachdem feststand, dass die Pflanzen für die Tiere ohne Belang waren.
Die Verhältnisse beim Einsetzen der Tiere waren folgendermaßen: Behälter voll sonnenbeschienen bei 26 °C Wassertemperatur.
Sofort nach dem Einsetzen der Tiere begann ein eifriges Untersuchen der Spalten und Hohlräume durch alle Tiere. Die Landteile wurden mit wenigen flüchtigen Ausnahmen nicht frequentiert.
Nach Sonnenuntergang (18 Uhr) hatte das Wasser noch 21 °C. Nun erfolgte eine Verhaltensänderung. Während die ((sich unter Wasser in Spalten und Höhlungen aufhielten, begannen die αα aufgeregt den Freiplatz auf- und abzulaufen. ((, die sich vorwagten, wurden zielstrebig aufgesucht und beschnüffelt. Nach kurzer Zeit gelang es dem ersten Männchen das angeschnüffelte Weibchen durch Rückwärtslaufen auf die Freifläche zu locken. Dort begann dann der eigentliche Paarungstanz unter gleichzeitigem Absetzen der Spermatophore. Die Tanzbewegungen waren ruckartig und verliefen in einem rechtsläufigen Kreis. Die Körper beider Geschlechter waren dabei kommaförmig nach innen gekrümmt. Beide Geschlechter achteten zu jeder Zeit des Paarungstanzes darauf die rechte Gesichtshälfte in unmittelbarer Nähe zur rechten Gesichtshälfte des Partners in Position zu halten. Besonders auffallend waren ruckartige Rechts-Links-Bewegungen des Weibchens, die in dieser Ausprägung beim Männchen nicht vorhanden waren. Ebenfalls auffällig war das Ausstoßen großer Luftblasen aus dem geöffneten Maul. Die Dauer der einzelnen Paarungstänze lag bei 4 - 7 Minuten. In der Zeit von 18 - 21.00 Uhr konnte der Balzvorgang fünf Mal beobachtet werden. Dabei wurden insgesamt 10 Spermatophore mit Samenaufsatz abgesetzt. Nach Beendigung der Balz hatten noch acht Spermatophoren ihren Samenaufsatz.
Nach 21 Uhr suchten sowohl αα wie αα Hohlräume unter gebogenen Rindenstücken auf, die außerhalb des Wassers auf den Landteilen auflagen.
Am 6.03.2000 ab 8.00 Uhr morgens begannen die αα die Landteile zu untersuchen.
Tags darauf, am 7.03.2000 gegen 21 Uhr wurden von mir zwei Weibchen beobachtet, die an Land ihren Körper unter windenden Bewegungen gegen die unter ihnen befindlichen Sandsteinplatten pressten. Trotz intensiver Suche konnte ich allerdings keine Eier vorfinden. Die Weibchen begaben sich in dieser Zeit immer wieder ins Wasser um anschließend weiter an Land diese Press- und Windungsbewegungen durchzuführen. Zunächst vereinzelt, später immer öfter, wurden dann nach ca. 50 Minuten die ersten Eier an Land auf dem nackten Stein abgelegt. Die Eiablage erfolgte immer an Stellen, die schon bereits mit dem Körper vorbehandelt waren. Bereits angeheftete Eier wurden jedoch von den Weibchen bei den nachfolgenden Press- und Windungsbewegungen keineswegs verschont - ich hatte oft den Eindruck die Eier könnten unter dem Körperdruck zerplatzen, was jedoch nicht geschah. Auffallend war, dass nicht selten sich das zweite Weibchen zur Eiablage hinzugesellte und ebenfalls die Press- und Windungsbewegungen mitmachte. Die Eiablage war die gesamte Nacht im Gange, sodass ich am nächsten Morgen an zwei Hauptablagestellen ingesamt 231 Eier vorfand. Dabei befand sich keines der Eier direkt im Trockenen. Die Eier hatten immer zumindest Wasserberührung, befanden sich direkt über dem Wasser an der Unterseite von überhängenden Steinplatten oder lagen untergetaucht im Wasser ohne angeheftet zu sein.
Da ich Befürchtungen hatte, dass die Eier von den Adulten gefressen werden, wurden ca. 180 Eier aus dem Behälter der Elterntiere genommen und separat in einem Behälter mit Sauerstoffversorgung per Ausströmerstein untergebracht. Aus diesen Eiern entwickelten sich lediglich 20 Larven - der Rest verpilzte nach der ersten Zellteilung.
Der im Behälter der Eltern verbliebene Gelegerest entwickelte sich ausnahmslos gut und schlüpfte auch als Larve.
Leider erwiesen sich die aus Hygienegründen vorgenommenen Wasserwechsel als äußerst negativ, sodass sich der Larvenbestand bis zur Metamorphose auf 10 Jungtiere dezimierte. Die Larvenmortalität ließ sich durch die gemachte Erfahrung verringern, dass die Wasserchemie des heimischen Leitungswassers sich besonders negativ auswirkte und fortan nur noch unbehandeltes Wasser aus einem Brunnen verwendet wurde.
Aufgrund der gemachten Beobachtungen liegt der Verdacht nahe, dass körpereigene Säfte der Elterntiere die Entwicklung sowohl der Eier als auch der Larven begünstigen.
Anzumerken wäre noch, dass alle Tiere der hier angsprochenen Zuchtgruppe aufgrund ihrer Körperzeichnung als zwischen Tylototriton kweichowensis und Tylototriton shanjing stehend angesehen werden müssen.
Der Vortrag wurde durch Videoaufzeichnungen unterstützt.

Salamandrina terdigidata

Günter Schultschick

Der Vortragende berichtete von zwei Nachzuchtversuchen, welche von ihm selbst und gleichzeitig von S. BOGAERTS durchgeführt wurden.
Paarungsversuche wurden leider in beiden Fällen nicht beobachtet, aber am (B: 25. Januar), 11. und 13. März wurden von (B: einem) zwei Weibchen insgesamt (B:30-35) 110 Eier abgesetzt. Die Entwicklungsrate war hoch, obwohl in beiden Fällen die Eier in unbewegtem Wasser gezeitigt wurden. Nach (B: 20 Tagen) ca. 3 Wochen bei einer Wassertemperatur von (B:15°C+) 18°C schlüpften 85 Larven und wurden in ein gut durchlüftetes Aufzuchtbecken gesetzt. Die Larven begannen nach etwa einer Wochen mit der Nahrungsaufnahme. Sie wurden mit Artemia, Daphnien und Tubifex gefüttert. Peinlichste Sauberkeit (Futterreste vor der nächsten Fütterung entfernen!) ist wichtig, da die Larven auf Verpilzungen sehr rasch negativ reagieren. Nach (B: 2,5 Monaten) 57 Tagen verließen die ersten Larven das Wasser. Es metamorphosierten (B: 27) 74 Jungtiere.
Trotz mengenmäßig ausreichend erscheinender Versorgung mit gezüchteten Collembolen und Drosophila überlebte beim Vortragenden keines der Jungtiere das erste Monat. Auch bei B. setzte eine hohe Ausfallsrate ein. Deshalb setzte er die Jungtiere ins Freie und ließ sie sich sozusagen „selbst versorgen“. Auf diese Weise überlebten bei B. 9 Tiere.
Bei ausreichender Ernährung mit Kleininsekten der Adulten von S. terdigidata ist es unter Einhaltung der Grundbedürfnisse der Art also durchaus möglich, sie im Terrarium zur Nachzucht zu bringen. Weitgehend problematischer dürften die ernährungsbedingten Schwierigkeiten beim Hochbringen der Frischmetamorphosierten sein. Eine seminatürliche Unterbringung der Jungtiere in entsprechendem Substrat, das regelmäßig ausgewechselt werden muss, dürfte noch die besten Erfolgsaussichten haben.